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Thematischer Rahmen: Japans Kontakt mit dem Westen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nachdem sich die christliche Missionstätigkeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts bis an den äußersten Rand Ostasiens vorgewagt hatte, gelangten durch die intensive Missionsarbeit der Jesuiten zum ersten Mal kulturelle Errungenschaften des Westens auf direktem Wege nach Japan. Das besondere politische Gewicht, das den Jesuiten im Zeitalter des Bürgerkriegs zukam, führte schon bald dazu, daß neben religiösen Kulturgütern auch zahlreiche weltliche aus dem Bereich Technik und Naturwissenschaft nach Japan gelangten. Dieser ersten Phase der Begegnung mit dem Westen wurde jedoch mit dem Verbot des Christentums 1612 und der offiziellen Abriegelung des Landes im Jahr 1635 ein jähes Ende gesetzt. Erst als nach mehr als zweihundert Jahren die Militärherrschaft der Tokugawa beendet und mit dem Tennô als neuem Zentrum der Macht die Meiji-Restauration vorangetrieben wurde, gelangte der Westen als Inbegriff der Demokratisierung und Modernisierung wieder in den Mittelpunkt des japanischen Interesses doch was passierte in der Zwischenzeit? Nachdem sich der Arbeitskreis für vormoderne Literatur im Jahr 2003 mit seinem 4. Symposium Wakan Japans interkultureller Monolog mit China zwischen Sehnsucht, Ablehnung und Pragmatismus einer kritischen Hinterfragung der japanischen China-Rezeption gewidmet hat, versucht nun das 5. Symposium, neue Seiten der japanischen Europarezeption aufzuzeigen. Da in der gegenwärtigen Forschung die frühe Begegnung mit dem Westen meist auf die Aspekte der Einführung von Waffen oder der Verbreitung westlicher Medizin in Japan reduziert blieb, stellt sich hier die dringliche Frage, inwieweit nicht auch die hohen Künste oder aber die normale Alltagskultur von neuen Errungenschaften des Westens durchdrungen worden sind. Welche Auswirkungen hatten beispielsweise die ersten christlichen Drucke auf die damalige Literaturszene? Inwieweit beeinflußte die systematische Erfassung der japanischen Sprache durch die Jesuiten spätere japanische Wissenschaftler der Nationalen Schule? Hatten Liturgie und Mysterienspiele Einfluß auf Formen des japanischen Theaters (z. B. kabuki) oder der praktischen Künste (z. B. Teezeremonie)? Oder in welchem Ausmaß beeinflußten westliche Kleidung und Essen die japanischen Lebensgewohnheiten? Die Fülle an Fragen, die sich aufdrängen, verdeutlichen die Notwendigkeit, die weitgehend eindimensionale Sichtweise in der bisherigen Forschung kritisch zu hinterfragen und neue Einblicke in die tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Westen im Zeitalter der Isolation zu eröffnen. Programm: Freitag, 4. Juni 2004 15.00 c.t.: Begrüßung durch Martina Schönbein (Würzburg) 15.30 16.30: Jutta Haußer (München) Die Berghexe wird Mutter: Entstehung einer neuen Vorstellungs- und Bilderwelt zwischen Kannonglauben, christlicher Offenbarung und traditionellen Erzähltraditionen 16.30 17.00: Kaffeepause 17.00 18.00: Simone Müller (Zürich) Europäische Natur- und Utopievorstellungen bei Andô Shôeki anschließend: gemeinsames Abendessen Samstag, 5. Juni 2004 9.00 10.00: Stephan Köhn (Würzburg) Zwei Dekaden christliche Druckaktivität in Japan von der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit der kirishitanban innerhalb der japanischen Kulturgeschichte 10.00 11.00: Nadja Brinker (München) Körpervorstellungen und -darstellungen in der edo-zeitlichen Literatur 11.00 11.30: Kaffeepause 11.30 12.30: Monika Rausch (Frankfurt) Europäische Einflüsse im kabuki-Theater eine Spurensuche anschließend: gemeinsames Mittagessen mit Abschlussdiskussion der ReferentInnen |
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