Freitag |
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| 15.00 | Eröffnung und Einleitung durch Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit |
| 15.15 | Eingangsdiskussion (Leitung und Eingangsreferat: Jens Heise, Berlin) |
| 16.30 | Kaffeepause |
| 17.00 | Simone Müller (Zürich) |
| Fiktion, Imagination und „Aufrichtigkeit“ in der klassischen japanischen Traumlyrik | |
| 18.00 | Jörg B. Quenzer (Hamburg) |
| „Akte des Fingierens“ im Genji monogatari |
Samstag |
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| 9.00 | Heidi Buck-Albulet (Tübingen) |
| „… als fände man sie reizvoll …“ – Konzepte des Uneigentlichen in der klassischjapanischen Rhetorik | |
| 10.00 | Judit Árokay (Berlin) |
| Poetologische Reflexionen über das Schöpferische in der späten Edo-Zeit | |
| 11.00 | Kaffeepause |
| 11.30 | Andreas Regelsberger (Frankfurt) |
| Schauspielerkörper, Puppenkörper und die Stimme des Rezitators: zur Imagination in Kabuki und Jôruri | |
| 12.30 | Mittagspause |
| 14.30 | Jutta Haußer (München) |
| Zwischen Phantasie und Imagination: Begegnungen in den wundersamen Reisen des Shidôken bei Hiraga Gennai | |
| 15.30 | Nicole Fujimoto (München) |
| Wie „fingiert“ man Gespenster? – Fiktion und das Spiel mit Fiktionsebenen in der edo-zeitlichen yôkai-Bildheftliteratur | |
| 16.30 | Kaffeepause |
| 17.00 | Abschlussdiskussion |
Abschlußbericht:
Thema des mittlerweile 7. Treffens des Arbeitskreises für vormoderne Literatur Japans war das "Imaginäre" --- sowohl verstanden als Relationsbegriff zum Realen und Fiktiven, wie ihn der Literaturwissenschaftler Wolfgang Iser geprägt hat, als auch als wichtiges Konzept der Kulturgeschichte.
Als Einstieg in die theoretische Diskussion wies Jens Heise (Berlin) auf die beiden großen geistesgeschichtlichen Traditionen hin, vor denen Isers Versuch einer "literarischen Anthropologie" (so der Untertitel einer seiner Hauptarbeiten zum Thema) zu situieren sei: Rezeptionsästhetik und Anthropologie. Dabei stellte er besonders den Charakter der Sprache als eines Grenzbegriffs heraus. Eine Frage in der anschließenden Diskussion, die auch bei den folgenden Beiträgen immer wieder aufgegriffen wurde, betraf die „Selbstanzeige“ der Fiktion, d.h. diejenigen sprachlichen Merkmale, anhand derer die doppelte Überschreitung - der Realität sowie zugleich des Imaginären in das (sprachlich) Fiktive - erkenntlich wird.
In einem ersten Beitrag diskutierte Simone Müller (Zürich) anhand des Izumi Shikibu nikki verschiedene Herangehensweisen, anhand derer in der japanischen Literaturwissenschaft Fiktionalität resp. Nicht-Fiktionalität festzumachen versucht werden, und hob dabei auf die Vieldeutigkeit des verwendeten Fiktionalitätsbegriff ab.
Eine recht frühe Thematisierung des Problems der Fiktion im Verhältnis zur Literarizität von Prosatexten findet sich im Genji monogatari. Jörg B. Quenzer (Hamburg) stellte die relevante Passagen und ihre Implikationen vor, um in einem zweiten Ansatz anhand narratologischer Strukturen auf einige Elemente der "Als-ob"-Struktur des Werkes hinzuweisen.
Die beiden folgenden Beiträge analysierten vor allem poetologische Materialien aus der Edo-Zeit: Heidi Buck-Albulet (Tübingen) zeigte anhand einer Diskussion der poetologischen Begrifflichkeit bei Motoori Norinaga, wie der Wirklichkeitsgehalt der Dichtung über die Intention des Dichters zu garantieren versucht wird. Judit Árokay (Berlin) arbeitete u. a. anhand der Schriften von Ozawa Roan und Kagawa Kageki heraus, wie das Schöpferische erstmals als menschliches Vermögen verstanden wurde, und wies auf den Zusammenhang mit der Entstehung eines allgemeinen Literaturbegriffs/-verständnisses hin.
Andreas Regelsberger (Frankfurt) wies anhand einer Analyse theoretischer jôruri-Texte auf die doppelte Fiktionalität von Sprache (Text) und Aufführung (Körper) hin und machte vor allem die "Stimme" als wesentliches Schwellenelement deutlich.
Die beiden abschließenden Beiträge befaßten sich vor allem mit dem Imaginären in kulturgeschichtlicher Hinsicht: Jutta Haußer (München) zeigte anhand des Werkes Fûryû Shidôkenden von Hiraga Gennai die Funktionen imaginärer Welten und ihre intertextuellen Bezüge auf, vor allem die Funktion des Ironisch-Gebrochenen (kokkei). Nicole Fujimoto (ebenfalls München) diskutierte die Besonderheit der yôkai-Tradition, imaginäre Gestalten gerade ohne imaginäre Welten resp. Handlungsschemata zu präsentieren, unter anderem anhand ihrer intermedialen Umsetzung durch Illustrationen.
In der abschließenden Diskussion wurde nochmals deutlich, daß das Isersche Modell wenn dann nur in rezeptionsästhetischer Hinsicht für Texte oder Konzepte der vormodernen Literatur brauchbar war.
Das nächste Treffen des Arbeitskreises wird sich voraussichtlich mit dem Thema "Medien und kulturelle Erinnerung" befassen, ein entsprechender "Call for papers" wird frühzeitig über die J-Studien bekanntgegeben.
(Protokoll: J.B. Quenzer)